Inhalt
Was ist Rezyklat?
Als Rezyklat bezeichnet man das Produkt eines Recyclingprozesses. Wortwörtlich bedeutet der Begriff „wieder in den Zyklus eingeführt“. Es gibt Rezyklate aus vielen verschiedenen Materialen wie Glas, Papier oder Batterien. Übertragen auf Kunststoffe ist Rezyklat wiederverwertetes Kunststoffmaterial aus dem Recycling von Kunststoffabfällen. Aus ihm werden neue, umweltfreundliche Kunststoffprodukte geformt – erst dann schließt sich der Materialkreislauf. Rezyklate sind damit sogenannte Sekundärrohstoffe in Form von Granulat, Flocken („Flakes“) oder Pulver.
Was sind PIR und PCR?
Post-Industrial-Rezyklate (PIR), auch Pre-Consumer-Rezyklate genannt, bestehen aus Kunststoffabfällen aus Produktionsrückständen, die bei der Herstellung von Kunststoffverpackungen oder anderen Kunststoffprodukten anfallen.
Post-Consumer-Rezyklate (PCR) hingegen bestehen aus recycelten Kunststoffabfällen von Endkonsumenten. Das sind vor allem private Haushalte, aber auch Industrie oder Gewerbe, die Kunststoffe nutzen. PCR gilt als besonders relevant für die Kreislaufwirtschaft, da es direkt aus Abfällen von Haushalten und Endverbrauchern gewonnen wird.
Wie wird aus Verpackungsabfall Rezyklat?
Entsorgen wir recycelbare Kunststoffverpackungen nicht im Restmüll – wo sie verbrannt werden – sondern trennen sie sorgfältig im Gelben Sack oder der Gelben Tonne, halten wir sie im Wertstoffkreislauf. Anschließend geht es für den vorsortierten und in Ballen gepressten Abfall auf den Recyclinghof. Eine hochmoderne Sortieranlage trennt die Wertstoffe nach Kunststoffsorten und Farben in gleichartige „Fraktionen“. Diese werden anschließend separat zerkleinert, gewaschen und zu Granulat oder Flakes verarbeitet – fertig ist das Rezyklat. Dieses wird im nächsten Schritt eingeschmolzen und zu neuen Kunststoffprodukten geformt.
Was bedeutet „rPET“?
rPET ist das Rezyklat aus Polyethylenterephthalat (PET), das überwiegend aus recycelten Getränkeflaschen gewonnen wird.
Warum ist Mülltrennung wichtig für die Kreislaufwirtschaft?
Nur sortenreine und saubere Kunststoffe können hochwertig recycelt werden. Verunreinigungen verschlechtern die Qualität oder machen Rezyklat unbrauchbar. Die sorgfältige Trennung von recycelbaren Kunststoffen ist deshalb Voraussetzung für hochwertiges Rezyklat – und beginnt bereits zu Hause: Gebrauchte Kunststoffverpackungen gehören in den Gelben Sack oder die Gelbe Tonne. Verpackungsbestandteile aus verschiedenen Materialien sollten wir trennen, beispielsweise den Aludeckel vom Joghurtbecher. Denn fest miteinander verbundene Materialien oder Fehlwürfe können auch von modernen Anlagen nicht zuverlässig getrennt werden.
Ist Rezyklat schlechter als Neuware?
Nein, Rezyklat ist ein wertvolles Material. Entsorgen wir unseren Verpackungsabfall gewissenhaft, unterscheidet sich die Qualität des aufgearbeiteten Kunststoffes am Ende kaum von neu hergestellten Kunststoffen. Aus hochwertigem Rezyklat entstehen oft neue Verpackungen. Rezyklat, das den Qualitätsansprüchen für Verpackungen nicht genügt, wird zu Kunststofffasern oder Pack – bzw. Dämmmaterial verarbeitet. Der erneute Einsatz des wertvollen Rohstoffs Kunststoff schont Ressourcen, die Umwelt und das Klima. Denn alles, was wir recyceln, müssen wir nicht neu herstellen.
Wie hoch ist der Rezyklateinsatz in Deutschland?
80 Prozent aller Kunststoffrezyklate stammen aus dem Verpackungsmarkt. Dort bleiben sie allerdings nicht: Schätzungen zufolge werden auch künftig noch mehr als die Hälfte (55 %) der recycelten Verpackungskunststoffe in anderen Sektoren benötigt, insbesondere im Bau- und Automobilbereich. Übrigens entstehen 80 Prozent der Post-Consumer-Rezyklate in Europa und Asien.
In Kunststoffverpackungen hat sich der Anteil von Rezyklaten (PCR und PIR) 2023 auf 15 Prozent erhöht (2021: 11 Prozent). Der Rezyklateinsatz (PCR und PIR) lag 2023 bei 580 kt, ein Anstieg um 24 Prozent (467 kt) gegenüber 2021. Dieser Anstieg wurde maßgeblich durch eine Zunahme der PCR-Mengen erreicht, von 369 kt (2021) auf 470 kt (2023). Auf PIR entfielen 2023 110 kt.
Macht Rezyklat Verpackungen nachhaltiger?
Ja, Rezyklate schonen Ressourcen, reduzieren CO₂-Emissionen und fördern die Kreislaufwirtschaft. Deshalb fördert die EU ihren Einsatz. Es ist zudem der eigene Anspruch der Branche Verpackungen zu entwickeln, die gut recycelt oder wiederverwendet werden können, und den Einsatz alternativer Rohstoffe wie Rezyklate oder biobasierte Rohstoffen voranzutreiben.
Die geplante EU-Verpackungsverordnung, die neue Nachhaltigkeitsanforderungen an Verpackungen stellt, tritt im August 2026 in Kraft. Die Recyclingfähigkeit und der Rezyklateinsatz in Kunststoffteilen werden damit ab 2030 zur gesetzlichen Pflicht. Ab 2030 müssen deshalb alle Kunststoffverpackungen einen Mindestanteil an Post-Consumer-Rezyklaten enthalten.
Wie viel Rezyklat muss in Verpackungen enthalten sein?
1) Mindestens 30 % PCR (ab 2040: 50 %) in kontakt-sensiblen Verpackungen aus PET (Verpackungen für Lebensmittel, Tierfutter, Kosmetika, Gefahrgüter, Medizinprodukte und Arzneimittel für Mensch und Tier)
2) Mindestens 10 % PCR (ab 2040: 50 %) in anderen kontakt-sensiblen Verpackungen (außer PET und Getränkeflaschen)
3) Mindestens 35 % PCR (ab 2040: 65 %) in sonstigen Kunststoffverpackungen
4) Mindestens 30 % PCR in Einweggetränkeflaschen (ab 2040: 65 %)
Wieso sind gesetzlich vorgeschriebenen Einsatzquoten für Post-Consumer-Rezyklate problematisch?
Die geplanten Rezyklateinsatzquoten sind vor allem aufgrund der mangelnden Verfügbarkeit geeigneter Rezyklate unrealistisch. Dies betrifft insbesondere Rezyklate, die in kontaktsensitiven Bereichen wie Lebensmittel, Tierfutter, Pharmazieprodukte, Kosmetik oder Gefahrgüter eingesetzt werden können. Sie unterliegen strengen Regulierungen. Diese führen dazu, dass für einen Großteil solcher Verpackungen noch keine zulässigen Rezyklate am Markt existieren. Abseits von PET-Rezyklat ist es kaum möglich, qualitativ geeignetes PCR zu beziehen. Der Anteil solcher lebensmittelechter Rezyklate ist so gering, dass fast 100 Prozent aller Lebensmittelverpackungen aus Primärkunststoff hergestellt werden müssen.
Trotz einer erneuten Rekordrecyclingquote und steigendem Rezyklateinsatz wird die verfügbare Menge an recycelten Kunststoffen voraussichtlich nicht ausreichen, um die geplanten Quoten zu erfüllen und die Kreislaufwirtschaft auszubauen. Dazu fehlen allein in Deutschland mehr als eine Million Tonnen Post-Consumer-Rezyklate von hoher Qualität. Die Industrie fordert deshalb unter anderem eine faktenbasierte Regelung zum Einsatz von Polyolfin-Rezyklaten in Verpackungen von kontaktsensitiven Produkten. Aktuell ist die fehlende regulatorische Klarheit ein großer Hemmschuh für die Weiterentwickelung der Rezyklatanteile im Verpackungsbereich.
Was ist die "Rezyklat-Lücke" und wie lässt sie sich schließen?
Da Rezyklate eine bessere CO2-Bilanz haben als Kunststoffe, die aus neuen Rohstoffen produziert werden, fördert die Europäische Union ihren Einsatz. Die geplante EU-Verpackungsverordnung sieht unter anderem Rezyklateinsatzquoten vor. Doch diese lassen sich aufgrund der mangelnden Verfügbarkeit geeigneter Rezyklate nicht erfüllen: Der Bedarf an Kunststoffrezyklaten könnte Studien zufolge 2030 30 Prozent über dem Angebot liegen.
Die Industrie fordert deshalb unter anderem Investitionen in den Ausbau von Abfallsammlungs-, Sortier- und Recyclinginfrastruktur sowie angepasste rechtliche Rahmenbedingungen. Dazu gehört, Importe von Rezyklaten, die nicht den europäischen Vorgaben entsprechen, zu stoppen und die Marktüberwachung auszubauen. Wichtig ist auch, zügig weitere sichere Recyclingverfahren für den Einsatz im Lebensmittelbereich zuzulassen, damit außer rPET auch andere Kunststoffrezyklate zum Beispiel in Lebensmittelverpackungen eingesetzt werden können.
Downloads
Kontakt aufnehmen
Artikel teilen
Artikel bewerten
Plastikabgabe belastet Verbraucher und schadet Kreislaufwirtschaft
„Kreislaufwirtschaft braucht Mut, Konsequenz und gute Gestaltung“