Jeder kann Kreislaufwirtschaft

Kunststoff­verpackungen als Bestand­teil moderner System­gastronomie

Flughafen-Terminal, Schulkantine, Festival-Gelände, Autobahn-Raststätte, Büro-Cafeteria: All diese Orte verbindet die Systemgastronomie und die Kunststoffverpackung. Ob Kaffeebecher, Snackbox oder Salatschale, ohne Verpackung kein To-go, kein Catering, kein reibungsloser Betrieb. Gleichzeitig steht die Branche vor wachsenden Anforderungen durch neue EU-Verpackungsregularien, kommunale Abgabendiskussionen, steigende Kosten und ein verändertes Konsumverhalten.

Was ist Systemgastronomie?

Die Systemgastronomie ist eine eigene Branche zwischen Produktion und Dienstleistung, die sich deutlich von der klassischen Gastronomie unterscheidet. Ihr wesentliches Merkmal: ein klar definiertes Konzept, das auf zentrale Steuerung, Standardisierung und Multiplikation ausgerichtet ist. Was in einer Filiale funktioniert, wird mit gleichbleibender Qualität, gleichem Look und gleichen Prozessen an allen Standorten vervielfältigt.

 

Das klingt nach McDonald’s und Burger King – und ja, die gehören auch dazu. Doch die Systemgastronomie ist viel breiter aufgestellt: Verwaltungskantinen, Schul- und Kita-Caterer, Cateringbetriebe bei Messen, Sportevents und Konzerten sowie Flughafengastronomie, Raststätten, Bäckereiketten, Salatbar-Konzepte oder Sushi-Lieferservices sind ebenfalls Teil dieser Branche.

 

Laut dem Bundesverband der Systemgastronomie (BdS) erzielte sie im Jahr 2025 einen Umsatz von 36 Milliarden Euro, das entspricht 41 Prozent der gesamten Außerhausgastronomie in Deutschland. Jeder dritte Euro, der in der Gastronomie ausgegeben wird, fließt in ein Restaurant der Systemgastronomie.

Kunststoffverpackung: Das Rückgrat des To-Go-Geschäfts

Kunststoffverpackungen übernehmen in der Systemgastronomie Aufgaben, die kein anderes Material bisher vollständig bewältigt: Schalen, Becher, Boxen und Folien schützen Speisen vor Kontamination, gewährleisten Hygiene, ermöglichen eine präzise Portionierung und sind leicht sowie bruchsicher. Im Schulcatering, in der Gemeinschaftsverpflegung, im Lieferservice oder im To-go-Bereich gibt es bislang keine gleichwertige Alternative, die alle Anforderungen an Lebensmittelsicherheit, Handhabung und Wirtschaftlichkeit gleichermaßen erfüllt. Kunststoffverpackungen sind damit in der Systemgastronomie unverzichtbar.

Typische Kunststoffverpackungen in der Systemgastronomie

Das Spektrum der eingesetzten Serviceverpackungen ist breit:

• Snack-, Nudel- und Salatboxen

• Suppen- und Dressingbecher

• To-Go-Becher für Heiß- und Kaltgetränke

• Einschlagfolien für Döner, Sandwiches und Wraps

• Pizzakartons mit Kunststoffbeschichtung oder -einsätzen

• Tragetaschen und Lieferverpackungen

PPWR: Die EU setzt den Rahmen

Auf europäischer Ebene kommt mit der Packaging and Packaging Waste Regulation (PPWR) ein großer Einschnitt auf die Branche zu. Die Verordnung ist seit 2025 in Kraft, mit Ablauf der Übergangsfristen im August 2026 gilt sie unmittelbar in allen EU-Mitgliedstaaten. Für Gastronomiebetriebe bedeutet das konkret: Verpackungen müssen recyclingfähig gestaltet sein, Rezyklatanteile sind vorgegeben und Mehrweg muss dort angeboten werden, wo es praktisch umsetzbar ist.

 

Wer jetzt in recyclingfähiges Design, Rezyklatmaterialien und praxistaugliche Mehrwegsysteme investiert, verschafft sich einen regulatorischen Vorsprung. Gleichzeitig stärkt er seine Glaubwürdigkeit bei Gästen und Öffentlichkeit.

Verpackungspflichten für Gastronomiebetriebe

Wer Speisen und Getränke in Verpackungen an Kunden übergibt, ob im Restaurant, im Imbiss oder per Lieferservice, hat umfangreiche verpackungsrechtliche Pflichten. Eine Bagatellgrenze gibt es nicht: Die Pflichten gelten unabhängig von der Verpackungsmenge.

 

Verpackungsgesetz (VerpackG):

  • Registrierung im Verpackungsregister LUCID (Pflicht vor dem ersten Inverkehrbringen)
  • Systembeteiligung: Abschluss eines Vertrags mit einem dualen System und regelmäßige Mengenmeldung
  • Mehrwegangebot: Seit 2023 Pflicht für Betriebe ab einer bestimmten Größe. Mehrwegsysteme sind von der Systembeteiligungspflicht ausgenommen

 

PPWR – ab August 2026:

  • Recyclingfähigkeit der Verpackungen nachweisen
  • Mindestrezyklatanteile einsetzen
  • Kennzeichnungspflichten für Verpackungsarten und Entsorgungshinweise
Übersicht zu Verpackungen für Speisen und Getränke nach Vertriebsweg: Selbstabholung/Mitnahme, eigene Lieferung und Lieferung über externe Lieferdienste. Unterschieden wird jeweils zwischen Einweg- und Mehrwegverpackungen. Die Grafik zeigt, wann Verpackungen als Serviceverpackungen gelten, welche Pflichten zur Registrierung und Systembeteiligung bestehen und wer bei eigener Lieferung oder Lieferdiensten als verantwortlicher Hersteller bzw. Erstinverkehrbringer gilt.
Zentrale Stelle Verpackungsregister 2026

Regulatorischer Druck: Kommunale Steuern und EU-Recht

Neben den EU-Vorgaben sieht sich die Systemgastronomie auch auf kommunaler Ebene einem wachsenden regulatorischen Druck ausgesetzt. Mehrere Städte haben in den vergangenen Jahren Verpackungssteuern eingeführt oder geprüft, darunter Frankfurt am Main, Köln und Kommunen in Bayern. Der BdS sieht solche Abgaben kritisch: Sie erhöhen nachweislich nicht die Mehrwegquote, schaffen aber Bürokratie, Wettbewerbsverzerrungen und finanzielle Belastungen, vor allem für einkommensschwache Gäste.

 

Verantwortung aus Überzeugung

Mit der Charta für eine saubere Nachbarschaft hat der BdS gemeinsam mit dem Deutschen Städtetag, dem Deutschen Landkreistag sowie dem Deutschen Städte- und Gemeindebund einen kooperativen Rahmen geschaffen, um achtlos weggeworfenen Verpackungsmüll im öffentlichen Raum zu reduzieren. Die Charta basiert auf Freiwilligkeit: Betriebe sammeln Verpackungen in ihrem Restaurantumfeld ein, unterstützen lokale Abfall-Sammel-Initiativen und arbeiten mit Kommunen bei der Standortwahl von Abfallbehältern zusammen. Ergänzend verpflichten sie sich, Abfälle zu vermeiden und unvermeidbare Abfälle einer Wiederverwertung zuzuführen.

 

Kunststoffverpackung im Kreislauf: Wohin die Reise geht

Der Lifestyle-to-go – das mobile, flexible Essensverhalten vor allem jüngerer Generationen – treibt den Bedarf an funktionalen Verpackungslösungen weiter an. Gleichzeitig steigt der Anspruch an Nachhaltigkeit nicht nur seitens der Regulatoren, sondern auch seitens der Gäste selbst. Für Kunststoffverpackungen in der Systemgastronomie bedeutet das Innovation in mehrere Richtungen gleichzeitig.

 

Kunststoffverpackung weiterentwickeln

Recyclingfähiges Design steht dabei an erster Stelle. Verpackungen aus Monomaterial, die Vermeidung von Verbundmaterialien und eine möglichst gute Sortierfähigkeit sind die Grundlage dafür, dass Verpackungen nach dem Einsatz tatsächlich in den Wertstoffkreislauf zurückfinden und nicht im Restmüll landen.

Das Mehrwegsortiment von McDonalds bestehend aus Bechern und Gläsern.
McDonalds

Rezyklatanteile sind der nächste Schritt: Verpackungen, die aus recyceltem Kunststoff bestehen, schließen den Kreislauf und reduzieren den Bedarf an Primärrohstoffen. Recyceltes PET (rPET) gewinnt dabei als Material für To-go-Verpackungen in der Systemgastronomie an Bedeutung. Seit 2025 müssen PET-Einweggetränkeflaschen gesetzlich mindestens 25 Prozent Rezyklat enthalten. Dieser regulatorische Impuls strahlt zunehmend auch auf Schalen und Becher aus.

 

Praxisbeispiele zeigen, dass diese Entwicklung in der Systemgastronomie bereits umgesetzt wird: McDonald’s Deutschland hat seit April 2023 vollständig auf Einwegkunststoffdeckel für Getränke verzichtet. Seitdem besteht der Großteil der To-go-Verpackungen aus erneuerbaren, recycelten oder zertifizierten Quellen. Burger King testet wiederverwendbare Verpackungslösungen und hat sich verpflichtet, Verpackungen insgesamt zu reduzieren sowie auf ihre Recyclingfähigkeit zu achten.

Turmartig gestapelte Einwegbecher aus chemisch recyceltem Rohstoff unter Verwendung der ReOil®-Technologie von OMV hergestellt.
Borealis

Turmartig gestapelte Einwegbecher aus chemisch recyceltem Rohstoff unter Verwendung der ReOil®-Technologie von OMV hergestellt.

Rückgabe, Logistik, Akzeptanz: Wann Mehrweg trägt

Mehrwegsysteme sind dort sinnvoll, wo sie operativ und wirtschaftlich funktionieren. Das ist bereits in Kantinen, Hochschulmensen oder Catering-Einrichtungen mit wiederkehrenden Gästen der Fall. Im klassischen To-go-Bereich mit wechselndem Publikum stoßen sie schneller an praktische Grenzen. Hier galt deshalb bislang die recyclingfähige Einwegverpackung als die realistischere Lösung. Dass es auch anders geht, zeigt das Beispiel der Kunststoffmesse K 2025: Gemeinsam mit Borealis und der Messe Düsseldorf wurde erstmals ein flächendeckendes Mehrwegbechersystem in der Messegastronomie umgesetzt. Die Becher werden auch nach der Messe weiterverwendet.

Was macht eine Kunststoffverpackung recyclingfähig?

Nicht jede Verpackung, die aus Kunststoff besteht, ist automatisch recyclingfähig. Entscheidend sind:

 

  • Materialreinheit: Monomaterielle Verpackungen (z. B. nur PP oder nur PET) lassen sich besser sortieren und verwerten als Verbundmaterialien.
  • Trennbarkeit: Deckel, Etiketten und Verschlüsse sollten aus kompatiblen oder leicht trennbaren Materialien bestehen.
  • Sortierfähigkeit: Die Verpackung muss in bestehenden Sortieranlagen erkannt und korrekt zugeordnet werden können.
  • Rezyklatfähigkeit: Das Material muss nach dem Recycling wieder als Rohstoff einsetzbar sein, idealerweise auch für Lebensmittelkontaktmaterialien (sog. „food-grade recycling“).

 

Die PPWR legt ab 2030 verbindliche Mindestquoten für Rezyklatanteile fest, je nach Verpackungstyp zwischen 10 und 35 Prozent.

Eine Branche inmitten der Verpackungswende

Die Systemgastronomie steht durch neue Regulierungen, steigende Kosten und wachsende Nachhaltigkeitserwartungen unter Druck. Gleichzeitig zeigt die Branche, dass sie diesen Anforderungen mit freiwilligen Initiativen, branchenweiten Kooperationen und konkreten Programmen entlang der Wertschöpfungskette aktiv begegnet. Kunststoffverpackungen sind dabei kein Auslaufmodell, sondern ein Material im Wandel, hin zu besserer Recyclingfähigkeit, höheren Rezyklatanteilen und einer funktionierenden Kreislaufwirtschaft. Damit dieser Wandel gelingt, braucht es regulatorische Rahmenbedingungen, die praxisnah gestaltet sind und Investitionen in Innovation ermöglichen.

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