Ob die Chipstüte oder der Joghurtbecher jemals wieder als Rohstoff in den Kreislauf zurückkehren entscheidet sich in Sortieranlagen. Was früher auf menschliche Augen und einfache Sensoren angewiesen war, übernehmen heute Kameras, Nahinfrarot-Spektrometrie und Algorithmen, die in Echtzeit unterscheiden, was wiederverwertbar ist und was nicht. Künstliche Intelligenz verändert das Kunststoffrecycling grundlegend und damit auch die Qualität der Rezyklate, die am Ende dabei herauskommt.
KI am Förderband: Erkennen, was zählt
Moderne Sortieranlagen arbeiten längst nicht mehr nur mit einfacher Sensorik. KI-gestützte Systeme kombinieren verschiedene Erkennungsverfahren und lernen kontinuierlich dazu. Sie können präziser trennen, erreichen höhere Reinheitsgrade und weniger Ausschuss. Die GAINnext-Technologie von TOMRA Recycling beispielsweise basiert auf Deep-Learning-Technologie und ermöglicht erstmals die sortenreine Trennung von Kunststoffverpackungen nach Lebensmittelkontakt, sowohl für PET als auch PP und HDPE. Dabei werden Reinheitsgrade bei Verpackungsanwendungen von über 95 Prozent erzielt.
Deutschland forscht und setzt um
Auch die Forschung liefert: Im BMBF-geförderten KI-Anwendungshub Kunststoffverpackungen arbeiten 51 Partner aus Wirtschaft, Wissenschaft und Gesellschaft in zwei Innovationslaboren zusammen. K3I-Cycling optimiert die Kreislaufführung durch intelligentere Sortierung und Aufbereitung. Herzstück ist der sogenannte Artificial Neural Twin, ein KI-System, das Materialinformationen entlang des gesamten Recyclingprozesses erfasst und auswertet. Im Innovationslabor KIOptiPack werden KI-gestützte Optimierungswerkzeuge entwickelt sowie ein Datenraum, der alle Akteure der Verpackungsbranche und deren Daten miteinander verknüpft. Ziel ist es, mithilfe der KI-Werkzeuge Kunststoffverpackungen zukünftig im Kreislauf zu führen.
Aus Abfall wird Rohstoff – und das lohnt sich
Diese Entwicklungen machen Rezyklate hochwertiger und damit wirtschaftlich attraktiver. Wer bessere Reinheitsgrade erzielt, erschließt neue Absatzmärkte, auch für anspruchsvolle Anwendungen wie Lebensmittelverpackungen. Kreislaufwirtschaft wird so nicht nur ökologisch sinnvoll, sondern auch ökonomisch tragfähig. Das ist die Voraussetzung dafür, dass sie im industriellen Maßstab funktioniert.
„Digitale Lösungen und KI sind keine Zukunftsmusik mehr, sie sind bereits heute ein entscheidender Hebel, um Kunststoffkreisläufe effizienter, transparenter und wirtschaftlicher zu machen. Wer Kreislaufwirtschaft ernst nimmt, braucht Technologieoffenheit."
Georg Pescher
Präsident der Industrievereinigung Kunststoffverpackungen
Kunststoffverpackungen sind Teil der Lösung und die Intelligenz, die heute in Sortieranlagen steckt, ist ein überzeugendes Argument dafür.