
© Lea Körber
Sie sind die aufstrebenden Talente in der Welt der Kunststoffverpackungen – jung, ambitioniert und entschlossen, Innovationen voranzutreiben. Diese Young Talents arbeiten intensiv an der Entwicklung neuer Lösungen, repräsentieren eine veränderte Unternehmenskultur und wollen die Branche nachhaltig prägen. Eine von ihnen ist Lea Körber, die sich auf die Fahne geschrieben hat, die Welt jeden Tag ein bisschen nachhaltiger zu machen.
Als Circular Consultant bei BellandVision berät sie Kunden – Händler und Markenartikler –, wie sie ihre Verpackungen so optimieren können, dass diese sich gut sortieren und recyceln lassen, um sie im Kreislauf zu halten.
Schon während ihres Studiums zur Verpackungstechnikerin hat sie sich auf die Schwerpunkte Nachhaltigkeit und Abfallwirtschaft fokussiert. Die Studieninhalte haben sie dann darin bestärkt, sich einen „Job mit Sinn“ zu suchen und so hat sie sich bei Deutschlands größtem dualen System, BellandVision, beworben. Das ist mittlerweile zweieinhalb Jahre her. Heute gehört das Monitoring und die Bewertung innovativer Verpackungsentwicklungen zu ihrem täglichen Doing. Dadurch ist sie in der Lage, Kunden fundiert zu beraten, wie sie ihre Verpackungen gut für die Zukunft aufstellen und aufgrund der verbesserten Recyclingfähigkeit mehr hochwertige Rezyklate hergestellt werden können.
Frau Körber, was begeistert Sie an Kunststoffen und was macht die Kunststoffbranche aus Ihrer Sicht für Nachwuchskräfte so interessant?

Sie setzen sich ganz besonders dafür ein, Verpackungen im Sinne der Recyclingfähigkeit nachhaltiger zu gestalten. Welche Trends oder Verpackungsinnovationen beobachten Sie?
Mehr Drive bei der Gestaltung von recyclingfähigen Verpackungen
BellandVision organisiert bundesweit die Sammlung, Sortierung und Verwertung gebrauchter Verpackungen, um die gesetzlichen Recyclingquoten zu erfüllen. Ohne Transformation und Innovationen von zum Beispiel Sortier- und Verwertungstechnologien wäre es nicht möglich gewesen, diese Quoten über die letzten Jahre hinweg zu erreichen.
Auch wenn sich viele Blicke in Sachen Nachhaltigkeit auf die Industrie richten, müssen auch Verbraucher:innen ihre Sicht ändern. Lea Körber empfiehlt, dass sich Konsument:innen mehr Zeit für die korrekte Mülltrennung nehmen sollten, beispielsweise um den Aluminiumdeckel vom Joghurtbecher zu entfernen und beides getrennt in den Gelben Sack zu werfen. Denn nur dann könne das Recycling beider Verpackungsbestandteile funktionieren.
Von der Politik wünscht sie sich in Sachen recyclingfähige Verpackungsgestaltung mehr Drive. Das Umweltbundesamt habe bereits vor zwei Jahren im Rahmen eines Forschungsvorhabens festgestellt, dass der §21 des Verpackungsgesetztes, der die ökologische Gestaltung der Beteiligungsentgelte regelt, in der aktuellen Fassung nicht die erhoffte Lenkungswirkung hat. Daraufhin haben die dualen Systeme einen Lösungsvorschlag ausgearbeitet, wie Anreize für mehr recyclingfähige Verpackungen geschaffen werden können. Bis heute sei eine Novellierung aber ausgeblieben. Vielversprechende Regelungen für eine funktionierende Kreislaufwirtschaft wurden aber jüngst in der Packaging and Packaging Waste Regulation (PPWR) von der Europäischen Union berücksichtigt. Darunter fallen einheitliche Design for Recycling Vorgaben sowie Mindestrezyklateinsatzquoten und von der Recyclingfähigkeit abhängige Systembeteiligungsentgelte. Das sei ein Schritt in die richtige Richtung, ist sich Lea Körber sicher.
BellandVision ist aktives Mitglied im Forum Rezyklat, Sie engagieren sich hier sehr stark. Warum sind Rezyklate für Sie der Schlüssel zu einer funktionierenden Kreislaufwirtschaft und zu mehr Nachhaltigkeit?
Im Fachpaket „Technologie und Recyclingfähigkeit“ des Forum Rezyklat leiten Sie die Arbeitsgruppe zum PET-Schalen-Recycling. Welche Herausforderungen gibt es hier?
Grundbaustein für Kreislaufwirtschaft legen
Die Entwicklung von Verpackungen ist komplex, da viele verschiedene Anforderungen erfüllt werden müssen, zum Beispiel an die Logistik, den Produktschutz oder die Warenpräsentation. Hier herrscht oft ein Zielkonflikt. Die zusätzliche Anforderung der nachhaltigen Verpackungsgestaltung erleichtert dies nicht, insbesondere, da sich das Recycling je nach Verpackungsmaterial unterscheidet.
Lea Körber hat deshalb im Rahmen ihrer Tätigkeiten für die Deutsche Normungsroadmap Circular Economy Forderungen zu Design for Recycling-Kriterien und einheitlichen Bewertungsmaßstäben zur Bemessung der Recyclingfähigkeit verfasst. Allgemein gültige Vorgaben zu Design for Recycling-Kriterien helfen Packmittelherstellern bei der Verpackungsentwicklung und gewährleisten somit den Grundbaustein für die Kreislaufwirtschaft: Verpackungen, welche sortierfähig und recyclingfähig sind, damit schlussendlich Materialkreisläufe geschlossen werden können.
„In der Kunststoffindustrie kann man selbst die Veränderung sein, statt sie nur von anderen einzufordern“
„Um tatsächlich Veränderungen herbeizuführen, müssen sich alle an einen Tisch setzen“