Ein Knacken, ein Zischen, kühles Aluminium an den Lippen: Die Getränkedose ist zurück. Doch im Getränkeregal trifft sie auf eine etablierte, starke Konkurrentin: die PET-Flasche. Als Erfolgsmodell der Kreislaufwirtschaft legt sie nach wie vor die Messlatte hoch. Kann die Alu-Dose hier annähernd mithalten? Unser Trend-Check zeigt, wie sie sich im direkten Vergleich mit der PET-Flasche schlägt.
Sie gleicht einer neu entfachten Liebe: Die Nachfrage nach alkoholfreien Getränken in Dosen. Nach der Einführung des Dosenpfandes Anfang der 2000er Jahre fast verschwunden, erlebt die Dose aus Aluminium zurzeit ein starkes Comeback. Zwischen 2020 und 2025 ist das verkaufte Gesamtvolumen um fast 50 Prozent gestiegen, wie aktuelle Daten des Marktforschungsunternehmens NIQ belegen. Der Umsatz von Softdrinks in Getränkedosen hat sich dadurch um 66 Prozent auf 3,23 Milliarden Euro erhöht. Auffällig dabei: Vor allem jüngere Menschen greifen laut NIQ vermehrt zur Getränkedose. Gründe für die steigende Beliebtheit sind eine Mischung aus praktischer Verpackung, moderner Social-Media-Ästhetik, Designaffinität und ein hoher Konsum von Energydrinks, die über 70 Prozent der verkauften Softdrinks ausmachen.
Dem gegenüber stehen PET-Flaschen, die seit den 1970er-Jahren einen unvergleichlichen Siegeszug vorweisen und heute ein Vorbild in Sachen Umweltschutz und Ressourcenschonung sind. 17 Milliarden von ihnen waren im Jahr 2017 in Deutschland im Umlauf (GVM, 2024).
Aludose oder PET-Flasche: Wer macht das Rennen?
Um den Trend besser bewerten zu können, lohnt sich ein systematischer Vergleich beider Verpackungslösungen: Wie schneiden Aludose und PET-Flasche in relevanten Bewertungskriterien tatsächlich ab, wer hat die Nase vorn?
1. Handhabung und Alltagstauglichkeit
Aludosen lassen sich einfach lagern, leicht stapeln und gut transportieren. Konsumentinnen und Konsumenten können die leichten, kompakten Dosen schnell kühlen, gut transportieren und praktisch unterwegs konsumieren. Einmal geöffnet sind Getränkedosen allerdings nicht wiederverschließbar und müssen ausgetrunken werden. Durch die dauerhafte Öffnung gelangen schneller Fremdkörper hinein.
Lagerung, Stapelung, Transport und praktisch für den To-Go-Konsum: Die PET-Flasche bringt dieselben Vorteile mit wie die Aludose. Und sogar noch mehr: Sie ist per Deckel wiederverschließbar und im Gegensatz zur Getränkedose in vielen unterschiedlichen Größen erhältlich. Auch ihr Gewicht fällt kaum ins Gewicht: Eine 500 ml-Dose wiegt meist zwischen 15 und 20 g, eine 500 ml-PET-Flasche zwischen 20 und 30 g.
Fazit: Die Vorteile in Sachen Alltagstauglichkeit liegen insgesamt eher bei der PET-Flasche, da sie sich erneut verschließen lässt und so unterwegs eine einfache Portionierung ermöglicht.
Der Deckel bleibt dran
Seit Sommer 2023 sind die Deckel von Einweg-Getränkeverpackungen aus Kunststoff mit einem Volumen von bis zu drei Litern fest mit dem Flaschenkörper verbunden. Sie gehören zur Strategie der EU, das Recycling von Kunststoffen zu stärken und die Umweltverschmutzung durch Littering wie verlorene oder achtlos weggeworfene Deckel zu reduzieren. Für die Industrie ist die Vorgabe ein weiterer Anlass, PET-Flaschen durch Design for Recycling zu optimieren.
2. Recycling und Kreislaufwirtschaft
Aluminium lässt sich nahezu unbegrenzt recyceln, ohne an Qualität zu verlieren. Getränkedosen erreichen daher hohe Recyclingquoten von über 90 Prozent. Doch noch können sie nicht komplett aus recyceltem Material hergestellt werden. Es hakt vor allem beim Deckel: Er besteht zu bis zu 25 Prozent aus Neumaterial, dessen Herstellung sehr energieintensiv ist.
PET ist ebenfalls hervorragend recycelbar, insbesondere im deutschen Pfandsystem. Laut einer GVM-Studie konnten im Jahr 2023 97,6 Prozent der PET-Flaschen dem Recycling zugeführt werden – übrigens 95 Prozent davon mit Deckel. Reines PET lässt sich vollständig recyceln, weshalb sich auch fast alle PET-Getränkeflaschen – zwischen 93 und 97 Prozent – für ein Bottle-to-Bottle-Recycling eignen. 2023 wurde bei der Herstellung von PET-Preforms zum ersten Mal mehr rPET als neues PET verwendet. Einzelne Hersteller oder Getränke-Poolsysteme setzen schon heute bis zu 100 Prozent rPET in ihren PET-Flaschen und -Deckeln ein.
PET-Flaschen lassen sich theoretisch beliebig oft recyceln. Sollte das Material irgendwann an Qualität verlieren, was sich zum Beispiel durch gräuliche Verfärbungen zeigt, kann es immer noch in Flaschen, aber auch in anderen Bereichen wie Folien oder Textilfasern eingesetzt werden.
Fazit: Beide Verpackungen sind gut in bestehende Recyclingsysteme integriert und lassen sich über das Pfandsystem der Dualen Systeme im Kreislauf führen. PET punktet jedoch durch geringeren Energieeinsatz im Gesamtsystem und einen höheren möglichen Recyclinganteil.
3. CO₂-Bilanz
Die Ökobilanz der Aludose bleibt verbesserungswürdig: Pro Kilogramm Verpackungsgewicht werden 7,57 kg CO2-Emissionen ausgestoßen. Für eine Tonne neues Aluminium braucht es einen Schmelzprozess mit 950 bis 970 Grad Celsius und rund 14.500 kWh Strom (ca. 14 kWh/kg). Obwohl Hersteller zunehmend Grünstrom und Primärmetall nutzen, stammt ein Großteil weiterhin aus Ländern mit hohem Kohlestromanteil. Recyceltes Aluminium verbessert die Bilanz einer Dose, da für seine Herstellung 95 Prozent weniger Energie als bei Primäraluminium verbraucht werden. Doch der negative Einfluss auf den CO2-Fußabdruck, wenn doch noch Primärmetall verwendet werden muss, ist groß.
PET-Flaschen schneiden in vielen Fällen besser ab. Pro Kilogramm Verpackung stößt Kunststoff nur 2 kg Emissionen aus, bei PET-Mehrwegverpackungen sind es sogar nur 0,03 kg. PET-Flaschen werden mit geringerem Energieeinsatz produziert (19-32 kWh/kg), da Rohöl oder Erdgas bereits bei 250 bis 300 Grad Celsius schmelzen. Durch ihr geringes Gewicht reduzieren sie zudem Transportemissionen.
Fazit: In der Gesamtbetrachtung hat die PET-Flasche in der Regel Vorteile bei der Klimabilanz.
4. Wahrnehmung und Image
Die Aludose profitiert aktuell von einem modernen Image und spricht mit ihrem oft „hippen“ Produktdesign insbesondere eine jüngere Zielgruppe an. Im Kühlregal lassen sie sich laut Herstellern optimal platzieren und fördern damit Impulskäufe, der metallische Glanz und die edle Optik sind hier oft ein Marketingvorteil.
Die etablierte PET-Flasche hingegen steht stärker für Funktionalität und Verlässlichkeit im Alltag. Beim modernen Verpackungsdesign und bei der Regallagerung stehen PET-Flaschen der Aludose in nichts nach. Allerdings sind sie in Sachen Markeninszenierung weniger emotional aufgeladen.
Fazit: Beim Image hat die Getränkedose aktuell noch die Nase vorne, insbesondere bei bestimmten Zielgruppen.
PET-Flasche entscheidet den Verpackungsvergleich für sich
Ob das Comeback der Getränkedose wirklich eine Entwicklung mit Zukunft oder doch nur ein kurzfristiger Hype ist, muss sich erst noch zeigen. Fest steht: Getränkedosen und PET-Flaschen bedienen jeweils unterschiedliche Bedürfnisse. Beide haben deshalb ihre Daseinsberechtigung im Markt. Im direkten Vergleich zeigt sich jedoch, dass PET-Flaschen in zentralen Kategorien wie Alltagstauglichkeit, CO₂-Bilanz und Recyclingfähigkeit insgesamt besser abschneiden. Damit bleiben sie die vielseitigere und in vielen Fällen nachhaltigere Verpackungslösung.