Transformation

Von Futter bis Gassibeutel: Nachhaltige Verpackungen erobern die Tierbranche

Sie haben flauschiges Fell, bunte Federn oder schillernde Schuppen und gehören zur Familie: Hunde, Katzen, Hamster und Co. werden immer stärker als Familienmitglieder gesehen. Die Ansprüche an Pflege, Zubehör und Ernährung wachsen stetig – damit müssen auch Verpackungen mithalten. Gefragt sind hochfunktionale Lösungen, die Produkte zuverlässig schützen, im Alltag praktisch und zugleich nachhaltig sind. Funktionalität und Nachhaltigkeit müssen also auch im Tierbereich neu und insbesondere noch stärker zusammen gedacht werden. 

Tierbesitzer füttert hungrige Katze aus Kunststoffpouches. Durch ihr geringes Gewicht wird die Umwelt weniger belastet.
iStock | Chalabala

Tierfutter wird heute oft nach Lebensmittelstandard verarbeitet und verpackt. Gleichzeitig differenziert sich der Markt weiter aus: Kleine Portionsgrößen für Katzen, Hundesnacks für unterwegs, wiederverschließbare Formate für Trockenfutter oder spezialisierte Lösungen für BARF-Produkte, also rohes Fleisch, verlangen andere Verpackungskonzepte als klassische Standardsortimente. Hinzu kommen Segmente wie Pferde-, Fisch- oder Vogelfutter, Kleintiernahrung oder Katzenstreu, die jeweils eigene Anforderungen an Gewicht, Dichtigkeit, Lagerfähigkeit und Handling mitbringen.

 

Vom Becher bis zum Beutel: viel Komfort, zu wenig Kreislauf 

Je nach Produktsegment gibt es traditionell starre Verpackungsformate, etwa Dosen, Schalen oder Becher für Nassfutter und größere Säcke oder Beutel für Futtermittel oder Einstreu. Insbesondere der flexible Tierfutterbeutel hat sich zu einem Schlüsselprodukt entwickelt. Im Gegensatz zu generischen Verpackungen ist er besonders vielfältig. Das platzsparende Verpackungsformat ist so wandelbar, dass es sowohl Trockenfutter vor Feuchtigkeit und Sauerstoff als auch Nassfutter vor dem Verderben schützen kann. Zudem wird es den Erwartungen an allergenfreie Materialien oder einfache, platzsparende Lagerung gerecht. Darüber hinaus sind die Beutel temperaturbeständig, langlebig und erschwinglich. 

 

Das Problem: 99 Prozent der Tierfutterverpackungen landen im Restmüll, statt ordnungsgemäß recycelt oder wiederverwendet zu werden. Das betrifft vor allem flexible Kunststoffbeutel und Pouches, kleine Beutel mit Einzelportionen, oft aus Verbundmaterialien. Sie sind im Sektor weit verbreitet, aber nur schwer recycelbar. 

Die Balance aus Produktschutz, Stabilität und Fütterungskomfort  

Hersteller im Tiersegment setzten lange stark auf Verpackungen aus komplexen Materialverbundlösungen, nicht recycelbaren Mehrschichtverpackung mit metallisierten Schichten, Aluminiumschalen oder flexiblen Einweg-Pouches. Das hat vor allem funktionale Gründe: Tiernahrung stellt hohe Anforderungen an den Produktschutz. Verpackungen müssen vor Sauerstoff, Licht, Feuchtigkeit und Fett schützen, damit Qualität, Frische und Akzeptanz erhalten bleiben. Zugleich sollen sie wiederverschließbar, stabil, leicht und bequem transportfähig sein. Stabile Böden, Tragegriffe oder leicht zu öffnende Verpackungen erhöhen den Komfort. 

 

Futtermittellager mit Großverpackungen aus Kunststoff.
iStock | VeugerStock

Verbraucherinnen und Verbraucher erwarten darüber hinaus praktische Lösungen wie wiederverschließbare Beutel oder portionierbare Formate, neue Darreichungsformen und Verpackungen, die sich leicht lagern und transportieren lassen. Gerade bei schweren Füllgütern wie Streu oder bei großformatigen Gebinden für Pferde- oder Trockenfutter spielen Reißfestigkeit und Belastbarkeit eine besonders große Rolle. Die herkömmlichen Lösungen bieten genau das, sind jedoch häufig in den gängigen Recyclingströmen kaum verwertbar. Doch inzwischen geht es auch nachhaltiger. 

 

 

Nachhaltigkeit als neuer Wettbewerbsfaktor 

Nachhaltigkeit ist auch in der Tierbranche längst ein Wettbewerbsfaktor, insbesondere im Bereich Tiernahrung. Verbraucherinnen und Verbraucher, aber auch die Tierfutterindustrie selbst setzt zunehmend auf umweltfreundliche Optionen wie biologisch abbaubare, recycelbare, materialeffiziente Materialien. Ziel ist es, Abfall zu reduzieren und umweltfreundliche Praktiken zu fördern, ohne Abstriche bei Produktschutz und Komfort.  

 

Eine Amcor-Studie (2024), für die 1.693 Verbraucherinnen und Verbraucher in Großbritannien, Frankreich, Deutschland und Italien befragt wurden, bestätigt den Trend: 

  • 76 Prozent der Tierhalter sagen, dass Nachhaltigkeit ihre Kaufentscheidung beeinflusst. 
  • 69 Prozent halten die Nachhaltigkeit der Verpackung für wichtig. 
  • 55 Prozent reagieren positiv auf Recyclinghinweise auf der Verpackung. 

Was natürlich aussieht, ist nicht gleich nachhaltig

Papier gilt aufgrund der nachwachsenden Rohstoffe oft als umweltfreundlich, Kunststoff dagegen als problematisch. In der Praxis ist die Lage differenzierter. Denn Tierfutter benötigt meist eine zuverlässige Barriere gegen Fett, Feuchtigkeit oder Sauerstoff. Hier stoßen papierbasierte Lösungen an Grenzen oder brauchen zusätzliche Beschichtungen. Bei Tierfutter ist das besonders relevant: Katzenfutter enthält häufig rund 10 Prozent Fett, Hundefutter mitunter sogar bis zu 20 Prozent. Verpackungen müssen diese Anforderungen zuverlässig erfüllen, bevor sie als echte Alternative infrage kommen. 

Recyclingfähigkeit rückt in den Mittelpunkt 

Hersteller und Verpackungsanbieter arbeiten deshalb mit Hochdruck daran, Verpackungen nachhaltiger zu gestalten, ohne auf Produktschutz und Komfort zu verzichten. Im Mittelpunkt steht oft die Recyclingfähigkeit, insbesondere bei den populären flexiblen Verpackungen. Ziel ist es, Verpackungen so zu gestalten, dass sie sich besser sortieren und recyceln lassen als klassische Verbundlösungen. Eine Schlüsselrolle spielen dabei Monomaterialien, also Verpackungen, die möglichst aus nur einer Kunststoffart bestehen, etwa Mono-PE oder Mono-PP. Sie lassen sich in der Regel besser in bestehende Recyclingströme einordnen als komplexe Materialverbunde. Dass dieser Wandel bereits in der Praxis ankommt, zeigen zahlreiche Beispiele aus der Branche:  

 

  • Greiner Packaging verpackt Fischfutter in einem Kunststoffbehältnis, das optisch an ein Glasgefäß erinnert, aber leichter und bruchsicher ist. Behälter und Label können auf Wunsch aus dem gleichen Material gefertigt werden und sind in Folge als Monomaterial einfach zu recyceln.  
  • Genau wie Greiner Packaging setzt auch Mars Petcare bereits rPET in seinen Tierfutterverpackungen ein. Der Einsatz von Rezyklaten ist aktuell nur mit fortschrittlichen Recyclingmaterialien wie PET möglich, die im Recycling ihre Lebensmittelechtheit beibehalten. 

PPWR erhöht den Druck

Zusätzlichen Schub erhält die Entwicklung durch die europäische Verpackungsverordnung PPWR, die im August 2026 in Kraft trittSie verschärft die Anforderungen an Recyclingfähigkeit, Rezyklateinsatz und kreislauffähiges Verpackungsdesign: alle Verpackungen in der EU sollen bis 2030 recycelbar seinBesonders für flexible, kontaktsensitive Kunststoffverpackungen – wie sie bei Tierfutter weit verbreitet sind – werden Recyclingfähigkeit und der Einsatz von Post-Consumer-Rezyklat (PCR) künftig noch wichtiger (10 Prozent PCR-Anteil bis 2030, 25 Prozent PCR-Anteil bis 2040). 

Gassigang mit Zielkonflikt 

In Deutschland leben rund acht Millionen Hunde. Zu vielen Gassigängen gehört ein Produkt, das Zielkonflikte besonders anschaulich macht: der Hundekotbeutel. Er muss belastbar, hygienisch, dünnwandig und günstig sein. Die klassische Einweg-Lösung aus Kunststoff gerät durch ein verändertes Verbraucherbewusstsein und neue Regularien zunehmend unter Druck. Es gibt zwar Alternativen, doch keine davon löst das Problem vollständig:

Papier kann im Fall von Recyclingpapier ressourcenschonender sein, stößt aber bei Feuchtigkeit, Reißfestigkeit und Hygiene an Grenzen. Zudem gehört ein gebrauchter Papierbeutel weder in Papier- noch in den Bioabfall und landet so im Restmüll.  

Biobasierte Beutel aus nachwachsenden Rohstoffen sind nicht immer biologisch abbaubar und biologisch abbaubare Tüten bestehen nicht immer aus nachwachsenden Rohstoffen. Kompostieranlagen sind mit ihnen oft überfordert, weshalb sie aussortiert und verbrannt werden. 

Rezyklathaltige Kunststoffbeutel reduzieren zwar den Einsatz neuer fossiler Rohstoffe, müssen aber am Ende ebenfalls im Restmüll entsorgt werden. 

 

Nachhaltigkeit ist keine reine Materialfrage 

Für viele Verpackungsfragen in der Tierbranche gilt, ähnlich wie im Lebensmittel- und Produktbereich für ihre Halterinnen und Halter: Die perfekte Lösung gibt es oft nicht, nur unterschiedlich gute Antworten auf unterschiedliche Anforderungen. Viele Anbieter setzen daher zunächst auf einen materialneutralen Ansatz und prüfen je nach Anwendung, ob Papier, Kunststoff oder andere Materialien die beste Lösung sind. Die nachhaltigste Lösung ist dabei die, die Materialeffizienz, Produktschutz und Recyclingfähigkeit sinnvoll miteinander verbindet. Monomaterialien, recyclingfähige Designs und der gezielte Einsatz von Rezyklaten sind dabei wichtige Hebel, um Kreislauffähigkeit und Funktion zusammenzubringen. 

Junge Frau, die mit ihrem Hund in einer modernen Zoohandlung einkauft. Dabei wählt sie Hundesnacks, welche in einem Kunststoffbeutel verpackt sind.
iStock | Eleganza

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