Transformation

Ein Material, viele Chancen: Monomaterial-Verpackungen starten durch

Ob Chipstüte, Flowpack für Kekse oder Folie für Frischfleisch, flexible Verpackungen sind aus dem Alltag nicht wegzudenken. Lange galten sie als Sorgenkind der Kreislaufwirtschaft: zu komplex im Aufbau und bestehend aus kaum trennbaren Materialien. Das ändert sich gerade. Monomaterial-Lösungen entwickeln sich zu einem der wichtigsten Hebel für eine bessere Recyclingfähigkeit. 

 

Frischer Blattsalat-Mix in einer durchsichtigen PET-Plastikverpackung.
iStock | matsou

Der Schlüssel liegt im Material 

Klassische flexible Verpackungen bestehen oft aus mehreren Schichten unterschiedlicher Kunststoffe, kombiniert mit Laminierklebstoffen oder Barrierebeschichtungen. Das macht sie funktional stark, aber schwierig zu recyceln.  

 

Monomaterial-Verpackungen setzen auf einen anderen Ansatz: Sie bestehen konsequent aus nur einem Kunststofftyp, zum Beispiel ausschließlich aus Polypropylen (PP). Das ermöglicht eine sortenreine Verwertung. Was einst als Zielkonflikt galt – hohe Barriereleistung auf der einen, Kreislauffähigkeit auf der anderen Seite – lässt sich heute zunehmend auflösen. 

Vom Labor ins Supermarktregal 

Im Mittelpunkt stehen dabei biaxial verstreckte Polypropylen-Folien (BOPP). Sie sind in flexiblen Lebensmittelverpackungen weit verbreitet und lassen sich vollständig in PP-Recyclingströmen verarbeiten. Neue Spezialtypen mit Ultrahoch-Barriere-Eigenschaften ermöglichen es, auch anspruchsvolle Anwendungen ohne Verbundmaterialien in einer reinen PP-Struktur zu realisieren. 

Mono-PP-Flowpacks, also Schlauchbeutelverpackungen aus reinem Polypropylen, für Backwaren, Kekse und Snacks zeigen, wie weit die Entwicklung bereits fortgeschritten ist. Denn sie lassen sich auf bestehenden Verpackungsmaschinen verarbeiten, ohne Abstriche bei Produktschutz oder Prozesssicherheit. Auch für die Fleischverarbeitung gibt es längst Monomaterial-Lösungen auf PP- und PE-Basis in der Praxis. 

Monomaterialfolie von morgen

 

Vier Fraunhofer-Institute forschen gemeinsam an einer Monomaterialfolie, die vollständig recyclingfähig ist und gleichzeitig alle Anforderungen der Verpackungspraxis erfüllt, von der mechanischen Stabilität bis zur Barrierewirkung gegen Gase, Dämpfe und Aromastoffe. Der innovative Ansatz: Die Eigenschaften der Folie werden nicht allein durch das Ausgangsmaterial bestimmt, sondern gezielt nachträglich verändert, in-line zur Folienextrusion, ohne die Produktivität zu senken. Das Ergebnis: mehr Steifigkeit, weniger Materialeinsatz, gleiche Produktionskosten.  

EU Parlament Gebäude mit Flaggen im Vordergrund.
AdobeStock | Grecaud Paul

Mit der Regulierung wird es ernst und die Branche ist bereit 

Der regulatorische Rahmen gibt der Entwicklung zusätzlichen Schub. Mit der EU-Verpackungsverordnung PPWR wird Recyclingfähigkeit zur gesetzlichen Grundanforderung. Ab 2030 greift die Konformitätsbewertungspflicht: Unternehmen müssen dann nachweisen, dass ihre Verpackungen tatsächlich recyclingfähig sind. Monomaterial-Lösungen sind dabei klar im Vorteil.  

„Monomaterialien stehen beispielhaft für den Wandel in der Kunststoffverpackungsindustrie: Sie zeigen, wie sich hohe Funktionalität und bessere Recyclingfähigkeit immer stärker verbinden lassen. Genau solche Lösungen brauchen wir, wenn Kreislaufwirtschaft in der Praxis funktionieren soll.“

Dr. Isabell Schmidt

Geschäftsführerin der Industrievereinigung Kunststoffverpackungen

Was lange als unvereinbar galt, wächst in der Praxis zusammen. Kunststoffverpackungen sind Teil der Lösung und Monomaterialien sind der Beweis, dass die Branche diesen Weg nicht nur beschreibt, sondern geht. 

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